Prüfung bestanden: Drei Rottweiler Kyudoka zeigen ihr Können in Stuttgart

Ruhig, bedächtig, nahezu meditativ fließen die Bewegungen beim Kyudo, dem japanischen Bogenschießen. Die Kräfte, die auf den über zwei Meter langen, asymmetrischen Bogen wirken müssen dabei stetig bis zum Abschuss gesteigert werden. Die Bewegungsformen und Techniken erfordern ein langes intensives Lernen. Annette Karbstein, Claudia Kienzle und Viacheslav Pypenko hatten sich …

1. Platz für die Mannschaft bei der Kyudo-Landesmeisterschaft

Die neuen Mannschaftsmeister 2022: Bernhard Weller, Marion Moritz und Viaceslav Pypenko

Für Bernhard Weller, Viacheslav Pypenko und Marion Moritz begann dieser Wettkampfsonntag früh morgens mit einer wunderschönen Fahrt durch blühende Schwarzwaldtäler. Freiburg war in diesem Jahr als Austragungsort der 17. Baden-Württembergischen Kyudo Meisterschaften ausgewählt worden. Um alle organisatorischen Dinge im Vorfeld des Wettkampfes zu erledigen und sich auf den Wettkampfort einzustimmen, mussten die drei Kyudoka früh in der Breisgau-Metropole ankommen. Die Anmeldung der startenden Mannschaften, das Aufspannen der Bögen und Herrichten der Ausrüstung, die Auslosung der Startreihenfolge, all diese Dinge mussten vorab erledigt werden.

Der Wettkampf startete um 10 Uhr. Nach der Begrüßung der Teilnehmer führte der Hauptkampfrichter Dirk Schaupp aus Karlsruhe ein traditionelles Yawataschi aus. Diese Eröffnungszeremonie, die von alters her vor jedem Wettkampfbeginn abgehalten wird, dient der Abnahme des Wettkampforts und dem Aufzeigen der richtigen Schießform. Erst danach konnte der Wettkampf beginnen.

Drei Mannschaften, die bereits im vergangenen Jahr um den Titel kämpften, standen dabei wieder besonders im Focus: Stuttgart, Karlsruhe und Rottweil. Bei den letzten Meisterschaften holte sich das Team aus Stuttgart vor Rottweil den Titel. Wie würde der Wettkampf in diesem Jahr verlaufen? Geschossen wurde über vier Runden. In jeder Runde schossen die Mannschaften 12 Pfeile. Schon das Betreten des Shajo, des Wettkampfplatzes, geschieht in ritualisierter Form. Nach den ersten beiden Schritten erfolgte eine Verbeugung, dann schreitet das Tachi, so die japanische Bezeichnung einer im Wettkampf gemeinsam agierenden Gruppe von Schützen, zur Honza, der Vorbereitungslinie. Nebeneinander im Abstand von einem Meter und achtzig Zentimetern halten die drei Kyudoka inne, knien ab und verbeugen sich in Richtung der Mato, der Zielschei

Viacheslav Pypenko, 3.Platz in der Einzelmeisterschaft

ben. Danach erheben sie sich gemeinsam und gehen mit gemessenem Schritt zur Shai, der Abschusslinie.

Auch hier knien die Kyudoka ab, drehen sich um neunzig Grad nach rechts, stellen in dieser knienden Position den mehr als zwei Meter langen Bogen zentral vor sich auf den Boden, legen mit der rechten Hand den ersten Pfeil auf und nocken ihn in der Sehne ein. Der erste Schütze der Mannschaft erhebt sich. Der Bogen mit dem Pfeil, formvollendet mit beiden Händen gehalten, scheint dabei vor dem Körper zu schweben. Aufrecht stehend blickt der Kyudoka zum Ziel und setzt dabei seinen linken Fuß in eben diese Richtung. Den rechten Fuß setzt er danach wie an einer Schlagschnur in die andere Richtung. So sicher und fest stehend wird der lange asymmetrische Kyudobogen mit dem eingelegten Pfeil auf dem linken Knie abgesetzt. Eine kurze Phase der Sammlung und Konzentration beginnt. Die rechte Hand mit dem Yugake, dem Schießhandschuh, greift die Sehne und gleitet an ihr bis zum Nockpunkt des Pfeiles hoch. Die linke Hand führt das Tenouchi, die besondere Handhaltung am Bogengriff aus. Langsam hebt der Schütze den Bogen mit dem Pfeil über Kopfhöhe. Aus dieser Position öffnete er den Bogen, links drücken und rechts ziehend langsam und bedächtig. Auf Höhe der Augenbrauen geschieht ein kurzes Innehalten, das Sanbunoni, das einem letzten Prüfen vor dem vollen Ausspannen des Bogens dient. Jetzt fließt die ganze Kraft und Konzentration in das endgültige Spannen des Bogens und des Körpers.

Für den Zuschauer geschieht der Abschuss, das Lösen des Pfeils völlig unvermittelt, blitzartig und in seiner Schnelligkeit kaum sichtbar. Der Pfeil rast in Richtung des Matos, der Zielscheibe und mit einem satten, einer Trommel ähnelnden Ton bohrt sich der Pfeil in die Scheibe. Treffer! Ein Schütze nach dem anderen erhebt sich und schickt Pfeil um Pfeil zur Zielscheibe. Bernhard Weller, der letztjährige baden-württembergische Meister leistet an diesem Tag für die Mannschaft Besonderes: Fünfzehn seiner sechzehn Pfeile treffen die nur 36 Zentimeter große Scheibe. Runde um Runde zeichnet sich ab, wer dieses Jahr die Nase vorne hat. Mit knappem aber souveränem Vorsprung sichert sich das Team vom Shu Gi Kan Kyu Dojo des Budo Zentrum Rottweil e.V. den Sieg und sichert sich so den Titel des Baden-Württembergischen Mannschaftsmeisters 2022. Das Team des Dojo Stuttgart belegt den 2. Platz und die Mannschaft aus Karlsruhe belegt den 3. Platz.
Am Nachmittag starten die angereisten Teilnehmer noch in die Einzelmeisterschaften. Nach der ersten Runde gehen die Teilnehmer ins sogenannte Izume-Schießen. Dies bedeutet, dass jeweils zwei Schützen gegeneinander antreten. Es zählt, wer den ersten Treffer setzt. So lichten sich nach und nach die Reihen der Schützen und die letzten verbliebenen Kyudoka treten im Enkin gegeneinander an. Hier schießen alle Starter nach einander auf eine Scheibe.

Am Ende siegt, wer dem Zentrum der Scheibe am nächsten kommt. Viacheslav Pypenko aus Rottweil erkämpft sich so den 3. Platz bei der Baden-Württembergischen Einzelmeisterschaft. Mit diesen hervorragenden Ergebnissen für die Rottweiler Kyudoka endet der Wettkampftag. Jetzt beginnt für die drei wettkampferprobten Kyudoka dienstags und donnerstags wieder das normale Training im Shu Gi Kan Kyu Dojo. Die nächsten Highlights des Kyudo-Jahrs sind schon in Planung: Im Juli findet nach einem Jahr Pause wieder der Enteki-Sonntag, das Weitschießen auf dem Rugby-Platz beim Freibad statt und Anfang August begrüßen die Kyudoka des Budo Zentrum Rottweil ihren japanischen Lehrer Ken Kurosu, der bei einem einwöchigen Kyudo-Seminar Schützen aus ganz Deutschland im Rottweiler Dojo unterrichten wird. Interessenten können weiter Informationen oder ein Besuch im Dojo

Erinnerungsfoto mit dem Kampfrichter Dirk Schaupp aus Karlsruhe

unter der Mail-Adresse kyudo@budo-zentrum.de erfragen.

Kyu-Prüfungen im Budo Zentrum – Japanische Bogenschützen zeigen ihre Fortschritte

Prüfung bestanden! Claudia Kienzle (links) und Bastian Greschek (rechts). Dazwischen Marion Moritz, Trainerin und Prüferin

Eingebettet in die ruhige Atmosphäre des Dojos, der Trainingshalle, im Rottweiler Neckartal waren alle anwesenden Kyudoka des Budo Zentrum Rottweil damit beschäftigt, das Shajo, den Schießplatz, für diesen Trainingsabend herzurichten. Die Mato, die sechsunddreißig Zentimeter großen Zielscheiben wurden in achtundzwanzig Metern Entfernung in die Sandaufschüttung gesteckt. Pfeil- und Bogenständer an ihre Plätze gestellt und der Parkettboden feucht gewischt. Jeder Bogenschütze spannte seinen über zwei Meter langen Bogen auf, steckte einen Satz aus vier Pfeilen in den Pfeilständer und legte seinen Schießhandschuh bereit, bevor zwei Töne, geschlagen mit zwei Holzklötzen den Kyudoka signalisierten sich zur Begrüßung zu versammeln. Traditionell stehen sich hier Schüler und Lehrer gegenüber und mit einem „Rei“ des ranghöchsten Schülers verneigen sich Lehrer und Schüler voreinander.

Dieser Abend war nicht einfach nur ein Trainingsabend wie viele andere auch, nein, an diesem Abend waren zwei Kyu-Prüfungen angesetzt. Wie in zahlreichen anderen Budo-Disziplinen graduiert das japanische Bogenschießen die Schützen seit den 1880er Jahren in Kyu-Grade, also Schülergrade und in Dan-Grade, die Meistergrade. Die Prüfungen, die hierzu zu absolvieren sind, zeigen den Kyudo-Praktizierenden ihren ganz persönlichen aktuellen Stand im Fortschreiten ihrer Übepraxis.

Claudia Kienzle und Bastian Grescheck stellten sich an diesem Abend ihren Kyu-Prüfungen.Die Prüfungen zum 4. und zum 5. Kyu werden vor dem Makiwara abgelegt. Als Makiwara bezeichnet man im Japanischen Bogenschießen eine Reisstrohwalze auf einem Holzgestell mit zirka 40 cm Durchmesser. Auf kurze Distanz von drei Metern dient sie ausschließlich dem Techniktraining. Die Kyudoka nutzen sie, um frei von Gedanken an eine weit entfernte Zielscheibe ihre Feinmotorik in der Handhabung des Bogens zu verbessern.

In den von den beiden Kyudoka abgelegten Prüfungen ging es darum zu zeigen, welche Fortschritte hierbei in den vergangenen Monaten gemacht wurden. Da in Rottweil die Lehrrichtung der Heki Ryu Insai Ha unterrichtet wird, war für diese Prüfung nicht nur das Schießen in der von dieser Schule vorgegebenen Form, sondern auch die Bewegungsformen, das sogenannte Heki Taihai, vor und nach dem Schuss ein Kriterium für die Prüfung.
Alle anderen Bogenschützen hatten sich seitlich neben dem Makiwara versammelt, um bei der Prüfung zuzuschauen. Vor ihnen stand Marion Moritz, die als Prüferin des Deutschen Kyudo Bundes die Schüsse der beiden Probanden beurteilte. Ruhe kehrte ein im Dojo. Alle, Zuschauer, Prüferin und Prüflinge waren aufmerksam und konzentriert.

Ein klein wenig war bei beiden die Aufregung spürbar, aber sobald sie an die Honza, die Vorbereitungslinie traten und sich sammelten, spürte man wie sie ruhiger wurden. Es ging alles seinen Gang. Alle Bewegungen, die für das korrekte Schießen mit diesen über 2 Meter langen asymmetrischen Bögen nötig sind, wurden von beiden korrekt und im Sinne der Prüfungsanforderungen erfüllt. Beide zeigten an diesem Abend hevorragende Leistungen. Solch bestandene Prüfungen sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg des Bogens. Jetzt kann das Training für Kienzle und Grescheck und die anderen Kyudoka vom Budo Zentrum Rottweil e.V. weitergehen. Wer sich selbst ein Bild über das Japanische Bogenschießen machen möchte, kann die Rottweiler Kyudoka gerne dienstags und donnerstags ab zwanzig Uhr im Dojo im Neckartal 58 besuchen.